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Dr. Martinus -Forum :: Thesen :: Das Miteinander der Religionen :: Das Kopftuch-Urteil  ::
DrMartinus
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Hallo alle zusammen!
Nachrichten: 479
Das Kopftuch-Urteil (12. Oktober 2003, 06:26) zitieren  
Ein feiges Urteil, in der Tat, das das BVG da gefällt hat. Es schiebt die Entscheidungsgewalt auf die Länder, wobei einem gesetzlich verankerten Verbot nichts im Weg steht.
Erst dann darf muslemischen Lehrerinnen verboten werden, Kopftücher im Unterricht zu tragen.
Warum eigentlich kam es überhaupt dazu, das das BVG angerufen wurde? Fereshta Ludin hatte geklagt, weil ihr durch die Schulleitung untersagt worden war, ein Kopftuch zu tragen.
Soweit, so gut (oder eher nicht gut). Immerhin wurde die Entscheidung der Schulleitung damit aufgehoben. Nun haben aber die Länder freie Hand, und das treibt seltsame Blüten:

Baden-Württemberg plant nun schon laut, das Kopftuchtragen in öffentlichen Schulen zu verbieten, christliche Symbolik aber, die der Tradition entspräche, weiterhin zuzulassen. Dazu zählt natürlich auch das Ornat von Unterrichtsschwestern usw. Soweit diese in Privatschulen unterrichten, mag das ja angehen (so wie es dort auch durchaus möglich ist, dass muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichten), aber wenn man Lehrerinnen das Kopftuchtragen im Unterricht an öffentlichen Schulen verbieten will, dann muss man gerechter Weise natürlich auch jegliche andere religiöse Symbolik verbannen.
Ich bin sehr dafür, dass man dem Urteil des BVG in soweit folgt, dass man keine Gesetzesgrundlage für ein solches Verbot schafft und dementsprechend das Kopftuchtragen erlaubt!
Ich sehe übrigens im Tragen eines Kopftuchs in der Öffentlichkeit durchaus kein religiöses Symbol. Aber wenn es denn so sein soll, dann sollten auch Christinnen, bitte schön, zumindest im Gottesdienst Kopftücher tragen, denn:

Zitat:
Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Weil es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie das Haupt bedecken.

Das ist nun nicht etwa "alttestamentlicher Kram", sondern steht im 1. Brief des Paulus an die Korinther im 11. Kapitel.
Gott sei Dank sind wir darüber hinweg, denn im gleichen Abschnitt wird die Frau konsequent ihrem Mann untergeordnet, mit der merkwürdigen und durch nichts fundierten Begründung, der Mann Gottes "Bild und Abglanz" - die Frau aber offensichtlich nicht.
Vielleicht sollten "bibeltreue Christen" dazu auffordern, Frauen aus dem Lehramt zu entfernen, denn sie dürfen nach neutestamentlicher Aussage keine Entscheidungen selbständig treffen. Wie können sie da Arbeiten korrigieren, Kinder zur Ordnung rufen usw.???


Dr. Martinus
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Juergen
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Verzeihen ist die beste Rache..
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Antw.: Das Kopftuch-Urteil (12. Oktober 2003, 22:20) zitieren  
Der Meinung von Dr. Martinus stelle ich entgegen:

Das Urteil ist nach meiner Ansicht nicht feige sondern sehr bedacht.
Es verschafft Ruhe und Raum für Diskussionen. Die öffentliche Meinung ist sehr wenig sachlich begründet.

Das oft zitierte Kopftuch ist keinesfalls eine religöse Darstellung!
Vielmehr ist es eine eindeutige Darstellung von Gewaltbereitschaft. Bekannt erst seit ca. 30 Jahren.

Immer wieder verblüffend festzustellen, dass auch Wissende die einfachen Dinge übersehen.



MfG von Juergen aus Bremen
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DrMartinus
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Nachrichten: 479
Antw.: Das Kopftuch-Urteil (13. Oktober 2003, 06:30) zitieren  
Hm, da kommen mir dann doch ein paar Fragen:

Wo wird diskutiert? Die Länder Bayern und Baden-Württemberg zumindest brauchen offenbar keine Diskussion (gut, das Ganze geht noch durch die Landtage, aber die Diskussion dort ist ja wohl kaum ernst zu nehmen und auf keinen Fall repräsentativ, auch wenn man das im demokratischen System so annehmen soll) - die Entscheidung ist schon gefällt, bevor die Gesetzesvorlage auf dem Tisch ist.
Wie die anderen Länder vorgehen, ist zwar noch offen, das Ergebnis hängt aber wohl kaum von einer öffentlichen Diskussion ab.

Gewaltbereitschaft? In welchem Sinn? Wodurch belegt? Dass Palästinenser mit ihrem karierten Tuch Gewaltbereitschaft symbolisieren, ist mir klar. Das sehe ich aber nicht so bei muslimischen Frauen in Deutschland (solange das Kopftuch nicht die eindeutige Musterung der "Arafat-Tücher" zeigt). Ich kenne eine Reihe kopftuchragender Musliminnen, die man keineswegs als gewaltbereit bezeichnen kann.



Dr. Martinus
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Juergen
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Verzeihen ist die beste Rache..
Nachrichten: 94
Antw.: Das Kopftuch-Urteil (14. Oktober 2003, 22:30) zitieren  
Zur Frage wo diskutiert wird:

Zwar wenig in der Öffentlichkeit aber zumindest bei den verantwortlichen Landesregierungen, die
das Urteil umsetzen müssen.

Zur angefragten Gewaltbereitschaft:

Der Glaube verlangt nach einer Bedeckung des
Kopfhaares (..bei Frauen).
Begründung: "Sexuelle Gelüste vermeiden". (!)

Das wurde über viele Jahrhunderte mit Schleiern
und oder Tragetüchern "erledigt".
Die neuzeitlichen Kopftücher gab es nicht.

Persönliche Anmerkungen:
Nichts gegen religiöses Verhalten. Nach meiner
persönlichen Ansicht dem Einzelnen überlassen.

In einer demokratischen Gesellschaft darf aber
Religion nicht die Verfassung bedrohen!

Glaubenskriege haben noch nie Lösungen erbracht.
Jeder Versuch ist nachhaltig gescheitert.

Religion (..jeder Glaube!) ist nur Trost für die
Schwachen!
Besser: Das menschliche Zusammenleben wird durch
Macht und Gewaltbereitschaft bestimmt.

Abschließend noch ein Zitat eines Biologen:
".. Der Mensch ist das einzig bekannte Lebewesen,
dass Waffen zur eigenen Vernichtung entwickelt und
nutzt."



MfG von Juergen aus Bremen
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DrMartinus
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Nachrichten: 479
Antw.: Das Kopftuch-Urteil (14. Oktober 2003, 22:42) zitieren  
Zitat:
Zur Frage wo diskutiert wird:

Zwar wenig in der Öffentlichkeit aber zumindest bei den verantwortlichen Landesregierungen, die
das Urteil umsetzen müssen.


Die Diskussion war dann aber ausgesprochen schnell vorbei. Es dauerte nur wenige Tage, bis die Gesetzesvorlagen beschlossen wurden - zumindest in den Ländern, wo das Kopftuchtragen in Schulen verboten wurde. Ob da das Urteil des BVG geholfen hat??? Ich bezweifle es stark.
Zitat:

Zur angefragten Gewaltbereitschaft:

Der Glaube verlangt nach einer Bedeckung des
Kopfhaares (..bei Frauen).
Begründung: "Sexuelle Gelüste vermeiden". (!)


Vielleicht bin ich nicht gut drauf heute, aber was hat das mit Gewaltbereitschaft zu tun? Natürlich geht es um sexuelle Gelüste bzw. um das Verhindern derselben. Wenn man manche Frauen (vor allem im Sommer) heute rumlaufen sieht, hat man das Gefühl, sie seien wandelnde Einladungen zum Geschlechtsverkehr. Nun ist unsere Gesellschaft mittlerweile ausgesprochen freizügig geworden, aber auch hier habe ich starke Zweifel, ob das gut ist.

Zitat:
Persönliche Anmerkungen:
Nichts gegen religiöses Verhalten. Nach meiner
persönlichen Ansicht dem Einzelnen überlassen.

In einer demokratischen Gesellschaft darf aber
Religion nicht die Verfassung bedrohen!

Das geschieht aber doch nicht durch Kopftücher? Oder, um die andere Seite zu erwähnen, durch Kruzifixe in Klassenzimmern?
Zitat:
Glaubenskriege haben noch nie Lösungen erbracht.

Natürlich nicht, daran habe ich nie gezweifelt.

Zitat:
Religion (..jeder Glaube!) ist nur Trost für die
Schwachen!
Besser: Das menschliche Zusammenleben wird durch
Macht und Gewaltbereitschaft bestimmt.


Höre ich da Sarkasmus raus? Sonst würde ich doch noch dazu etwas sagen wollen.

Zitat:
Abschließend noch ein Zitat eines Biologen:
".. Der Mensch ist das einzig bekannte Lebewesen,
dass Waffen zur eigenen Vernichtung entwickelt und
nutzt."


Das ist die sogenannte Intelligenz


Dr. Martinus
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Juergen
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Nachrichten: 94
Antw.: Das Kopftuch-Urteil (15. Oktober 2003, 21:02) zitieren  
@ Dr. Martinus
Zuerst möchte ich mich für Ihren intensiven Umgang herzlich bedanken.
Meine Empfindungen und Meinungen sind durchaus "grenzwärtig".

Zu Ihren Fragen:

Hilfreich ist das Urteil vom BVG nicht. Das ist auch meine Meinung.
Mehr hatte ich auch nicht erwartet. Politik versus Verfassung!

Kopftücher - Gewaltbereitschaft - Sexualität

Stimmt, der Zusammenhang ist nicht eindeutig gegeben.
Gemeint ist:
Der Glaube verlangt nach Bedeckung einiger Kopf Partien.
Hals, Kinn, Haupthaar. Möglich nur mit einer Art Schleier.
Die "Dame" die ihr Anliegen bis zum BVG verfolgt hat nimmt für sich
religiöse Unabhängigkeit in Anspruch ohne aber selbst den Ansprüchen
daraus gerecht zu werden.

Der dokumentierte Auftritt vor Gericht zeigt nach meiner Einschätzung die
wahre Gesinnung. Nur das Kopftuch unterscheidet sie äußerlich, sonst nichts
was auf eine intensive Ausübung des Glaubens schließen läßt.
Offensichtlich kann die Dame nicht zwischen Religion und Politik
unterscheiden.

Unsere Verfassung wird nicht durch Kopftücher oder Kruzifixe bedroht. Das
sind nur Symbole. Dahinter steckt die wahrnehmbare Bedrohung.
Mehr als 2,3 Mio. Menschen leben in Deutschland, die eindeutig gegen unsere
demokratischen Regeln verastoßen. Angst, Feigheit und Inkompetenz der
Behörden verhindert die Durchsetzung der Regeln.

Religion - Trost für Schwache - Macht - Gewaltbereitschaft

Ihr Empfinden ist richtig! Sarkastisch und zynisch formuliert. Mehr habe
ich auch für unsere aktuelle Welt nicht übrig. Nach über 8.000 Jahren
menschlicher Zivilisation verhungern immer noch die einzig Unschuldigen:
Kleine Menschen, wir nennen sie Kinder. Zuviele, jeden Tag, jede Stunde.

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Leben wir nicht in einer Welt der persönlichen Illusion?
Verschließen wir uns nicht und kapseln uns ab?
Warum nehmen wir nicht einen Teil unserer Langeweile und helfen?
Warum nicht nach echten Siegen streben?
Weniger Elend und mehr Menschlichkeit!


MfG von Juergen aus Bremen
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