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Andreas Neuling

Friede sei mit Euch! Nachrichten: 9
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NEU und kurz: Unwort Islamismus? ( 5. April 2004, 11:51) |
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Mein erster Text lud offenbar wenig zum Lesen und gar nicht zum Diskutieren ein. Schade, er war ja als Diskussionsbeitrag gedacht. Darum kurz und etwas weniger differenziert, als es sein sein sollte, dafür aber hoffentlich als Diskussionsbeitrag geeigneter:
Meiner Meinung nach ist "Islamismus" kein Unwort. Es leitet sich ab von der Selbstbezeichnung "Islamisten" (arab. Islamiyun), mit der sich Muslime bezeichnen, die dem Islam mehr politische Relevanz verleihen wollen. Von denen sind manche, aber längst nicht alle gewaltbereit. Eine Selbstbezeichnung sollte man akzeptieren, aber genauer als bisher unterscheiden zwischen "gewaltbereiten Islamisten" und "politischen Islamisten", bzw. "...-m ... -ismus". Letzterer hat zwar auch nicht unbedingt liberaldemokratische Ziele, muß aber in einer Demokratie akzeptiert werden.
ND |
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 Hallo alle zusammen! Nachrichten: 472
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Antw.: NEU und kurz: Unwort Islamismus? ( 6. April 2004, 07:02) |
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Ich war drauf und dran, auf den langen Text zu reagieren, aber Du hast recht, die Länge hat abgeschreckt. Ich kenne Arabisch zu wenig, um zu sagen, dass man "Islamiyun" mit "Islamist" übersetzen sollte. Und das ist des Pudels Kern. Mit den Worten "Islamismus" und "Islamist" verbindet der durchschnittliche Hörer und Leser Terrorismus und Gewaltbereitschaft, mit dem Wort "Islamiyun" aber gar nichts. Es wird uns nicht gelingen, dieses Wort zu entschärfen, weil es nicht differenziert benutzt werden kann. Es fällt ja sogar den Medien schwer, über Arafat zu sagen, er sei gewaltbereit. Das Label "Islamist" hat er noch längst nicht bekommen (zumindest nicht, soweit ich beobachten kann), er wird also als Politiker behandelt, obwohl die meisten terroristischen Gruppen der Palästinenser sich letztlich hinter seinem Rücken verstecken, wenn's hart kommt (das ist jetzt keine Rechtfertigung der Handlungen der israelischen Regierung, nur eine Feststellung darüber, wie bestimmte Sachverhalte dargestellt werden). Das Wort "Islamismus" wird unter Deutschen nicht als Übersetzung einer Selbstbezeichnung politischer Gruppen begriffen, sondern als Bezeichnung für Terroristen. Und das ist das Problem. Ich halte es für falsch, einer Religion dieses Attribut zu zu ordnen.
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Andreas Neuling

Friede sei mit Euch! Nachrichten: 9
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Antw.: NEU und kurz: Unwort Islamismus? ( 6. April 2004, 10:49) |
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Zitat:
| Mit den Worten "Islamismus" und "Islamist" verbindet der durchschnittliche Hörer und Leser Terrorismus und Gewaltbereitschaft, mit dem Wort "Islamiyun" aber gar nichts. ... Das Wort "Islamismus" wird unter Deutschen nicht als Übersetzung einer Selbstbezeichnung politischer Gruppen begriffen, sondern als Bezeichnung für Terroristen. |
Das leuchtet ein! Das gegenwärtige Verständnis muß mindestens genauso wie das ursprüngliche berücksichtigt werden.
Zitat:
| Es wird uns nicht gelingen, dieses Wort zu entschärfen, weil es nicht differenziert benutzt werden kann. |
Hm, eine Möglichkeit, es differenziert zu benutzen, habe ich vorgeschlagen. Diese traf ich zuletzt in der nun nicht gerade für Unsachlichkeit bekannten Sendung "BerlinDirekt" an. Dort wurde gesagt, man müsse gewaltbereite von politischen Islamisten unterscheiden. Letztere wollen mit legalen und friedlichen Mitteln, in einer Art Marsch durch die Institutionen, dem Islam zu mehr politischer Relevanz verhelfen. Viele Muslime distanzieren sich auch von ihnen, aber das ist ja okay. Es gibt auch im Christentum unterschiedliche Beurteilungen, wie groß dessen politische Relevanz ist / sein sollte.
Zitat:
| Es fällt ja sogar den Medien schwer, über Arafat zu sagen, er sei gewaltbereit. Das Label "Islamist" hat er noch längst nicht bekommen |
Das liegt wahrscheinlich daran, dass bei ihm die Gewalt (sofern er sie billigen sollte, man erfährt darüber ja nichts) nicht religiös, sondern nationalistisch motiviert ist. Ein anderes Beispiel war Saddam. Er vertrat keinen "Islamismus", sondern sozialistisch gefärbten arabischen Nationalismus. So konnte er auch einen Christen als Stellvertreter haben. (Und Arafat eine christliche Ehefrau!) Das war auch das Problem, das Bin Laden mit Saddam hatte, der ihn immerhin einen "ungläubigen Sozialisten" nannte. Im Irak gibt es derzeit auch sowohl nationalistisch als auch religiös motivierte Gewalt. Diese verbindet ein Hass auf Israel und Amerika, aber aus unterschiedlichen Gründen. Bloß weil man das im Westen nicht auseinander halten kann, ist der Unterschied ja nicht hinfällig.
Zitat:
| Ich halte es für falsch, einer Religion dieses Attribut zu zu ordnen. |
Ich auch, aber die Idee stammt von den Gewalttätern selbst, die sich als durch ihre Religion motiviert verstehen. Ob das sachlich falsch oder richtig ist, können wir nicht beurteilen, wir haben den Islam nicht gegründet. Es ist aber jedenfallst politisch falsch. Ich glaube nicht, dass wir als Außenstehende entscheiden können, welche Auslegung des Islam die "richtige" ist, die gewaltbereite oder die gewaltlose. Allerdings ist die pazifistische Auslegung einer jeden Religion die einzige, die wir als Demokraten und (im Falle des Islam) Andersgläubige akzeptieren können.
ND |
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Juergen Junior Mitglied
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Verzeihen ist die beste Rache.. Nachrichten: 94
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Antw.: NEU und kurz: Unwort Islamismus? ( 7. April 2004, 20:38) |
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Zum ersten Thread Den fand ich nicht zu lang. Ich hatte mir 'ne Notiz gelegt um bei Gelegenheit zu antworten. Die Lesbarkeit war es eher. Sehr lange Absätze, wenig Formatierung... Schwer zu lesen. Wird aber gerne in Foren gemacht. -Anm. Warum gibt es keine funktionierende Zeilen-Kontrolle in vielen Foren?-
Das Wort Islam und Abwandlungen Für mich eine Religion. Mit allen Vor- und Nachteilen. Vorletzten Sonntag habe ich auf 3sat eine sehr gute Dokukmentation über deutsche Angehörige dieses Glaubens gesehen. Dort wurden 6 Menschen auf ihrer Pilgerreise gezeigt. Sehr interessant. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.
Im deutschen klingt ja allein das Wort Islamisten schon negativ. "Christen" hört sich doch viel besser an! Wie würden heute die Menschen benannt werden, die im 13. Jahrhundert tausende Frauen als Hexen gefoltert und getötet haben? Katholische Terroristen?, Gewaltbereite Gläubige?
Zu Arafat Aus einem Terroristen wurde ein Präsident. Kein guter Weg in der Politik. Wenn Gewalt nicht eindeutig geächtet wird, verbleibt immer Leid und Elend. Nichts Neues. Seit Jahrhunderten bekannt. Die USA sollten sich mehr um Kultur bemühen. Dann könnte diese einfache Erkenntnis auch dort ausbreiten.
MfG von Juergen aus Bremen |
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Andreas Neuling

Friede sei mit Euch! Nachrichten: 9
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Antw.: NEU und kurz: Unwort Islamismus? (13. April 2004, 11:09) |
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Zitat:
Das Wort Islam und Abwandlungen Für mich eine Religion. Mit allen Vor- und Nachteilen. |
Das führt jetzt vielleicht vom Thema ab, notfalls können wir das ja in einem anderen Abschnitt besprechen, aber: Was sind Deiner Meinung nach die Vor- und Nachteile von Religion?
Zitat:
Im deutschen klingt ja allein das Wort Islamisten schon negativ. "Christen" hört sich doch viel besser an! Wie würden heute die Menschen benannt werden, die im 13. Jahrhundert tausende Frauen als Hexen gefoltert und getötet haben? Katholische Terroristen?, Gewaltbereite Gläubige? |
Wie sonst? Sie waren katholisch, und sie waren Terroristen. (Na, diesen Punkt muß ich nachträglich korrigieren: Hexenverfolgungen gab es auch nach der Reformation, und zwar in beiden Konfessionen.) Sie waren gläubig, und sie waren gewaltbereit. Keins von beidem läßt sich leugnen. Es gibt bis heute in allen Religionen (ich schreibe das als bekennender Christ) gewaltbereite Gläubige. Die Frage bleibt, inwiefern sich Glaube und Gewaltbereitschaft gegenseitig beeinflussen. Aber ich befürchte, da hat jeder seine eigene Antwort.
Zitat:
Zu Arafat Aus einem Terroristen wurde ein Präsident. Kein guter Weg in der Politik. Wenn Gewalt nicht eindeutig geächtet wird, verbleibt immer Leid und Elend. |
D'accord! Ging hier auch nur darum, inwiefern hier Gewalt religiös motiviert ist.
ND |
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Juergen Junior Mitglied
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Verzeihen ist die beste Rache.. Nachrichten: 94
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Antw.: NEU und kurz: Unwort Islamismus? ( 9. April 2004, 17:39) |
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Zitat:
| ... Was sind Deiner Meinung nach die Vor- und Nachteile von Religion? |
Gute Frage, kann ich kaum beantworten. Dennoch ein Versuch. Persönliche Meinung: Religion ist etwas für schwache Menschen! Wer nimmt denn heute noch daran teil? -Oder: Welche Religion muß denn nicht lügen? Statt Moral und Ethik zu vermitteln verbleibt es doch meist dabei falsche Hoffnungen zu wecken. Vorteil dabei, es gibt etwas zum klammern.
Zitat:
| ....ich schreibe das als bekennender Christ .... |
Christ zu sein ist für mich keine Religion, eher eine Lebenseinstellung. Den christlichen Werten fühle ich mich sehr verbunden. Für mich bedeutet es Zusammenhalt, Menschlichkeit, soziales Empfinden, Verzicht auf Gewalt und Vorherrschaft. .. aber wer kennt schon die Bedeutung des Fisches als Symbol?
MfG von Juergen aus Bremen |
Status: ausgeloggt |
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