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Dr. Martinus -Forum :: Gemischtes :: Weltpolitik :: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei  ::
Andreas
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Friede sei mit Euch!
Nachrichten: 9
Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (17. Dezember 2004, 11:36) zitieren  
Ich bin verwirrt!
Gut, manche im "bürgerlichen" Lager sind gegen einen Beitritt, die "liberalen" eher dafür. Aber warum?
Gut, die gegenwärtige Regierung in Ankara ist betont muslimisch und reformerisch. Das kann ich zusammendenken.
Sie sagen wahrscheinlich: Wir haben eine Religion, mit der wir auch bestimmte ethische Maßstäbe verbinden, z.B. zum Verhältnis der Geschlechter. Und wir sind Demokraten und respektieren daher auch andere Weltanschauungen und ethische Maßstäbe.

Das ist doch genau dieselbe Argumentation, die auch der gescheiterte Fast-Kommissar Buttiglione geliefert hat!!!

Wieso sind jetzt diejenigen, die ihn ablehnten, für einen Türkei-Beitritt und umgekehrt???
Wird hier überhaupt noch politisch argumentiert oder nur noch ideologisch?
Oder habe ich was übersehen?
Freue mich auf viele Kommentare zu dieser Frage und insgesamt zur EU und der Türkei.


ND
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DrMartinus
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Hallo alle zusammen!
Nachrichten: 479
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (17. Dezember 2004, 12:37) zitieren  
Will ich mal anfangen. Ich bin ebenfalls etwas verwirrt - der Widerstand gegen den Beitritt der Türkei in die EU ist nicht eindeutig begründet, die Leute eiern da einigermaßen rum. Ich sehe überhaupt keinen Grund, den Einstieg zu verhindern - es gehen ja erst mal längere Verhandlungen voraus (10 Jahre sind im Gespräch). Ich fände es ausgesprochen wichtig, ein muslimisches Land (von mir aus auch mehr) mit im Boot zu haben, solange dessen Verfassung auf demokratischen Grundsätzen basiert. Es gibt leider eine irrationale Angst vor allem, was mit dem Islam zu tun hat, was ich sehr bedaure. Im Übrigen sollte man vorsichtig sein, was die ethischen Maßstäbe der Muslime angeht - da könnten wir so manche (positive) Überraschung erleben.
Was wir aus den Medien erfahren, ist weniger als die halbe Wahrheit. Ich habe Kontakt zu vielen Muslimen, und da erkennt man schnell, dass wir massive Vorurteile pflegen, die jeglicher Grundlage entbehren.
Die Geschichte mit Buttiglione habe ich nicht intensiv genug verfolgt, also sage ich dazu lieber nichts.



Dr. Martinus
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Andreas
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Friede sei mit Euch!
Nachrichten: 9
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (18. Dezember 2004, 19:45) zitieren  
Herzlichen Dank für die freundliche Ermahnung und die Verheißung positiver Überraschungen.
Ich glaube, in puncto unterscheidbarer ethischer Normen gibt es die Muslime genausowenig wie die Christen.
Es ging mir hier auch nicht um die Muslime, sondern um die sich als muslimisch verstehende (und wer wollte ihr das bestreiten?) Regierung in Ankara - und zwar bewußt in der Darstellung von Frau Merkel.
Erst bei diesem worst case wird die Absurdität der Argumente deutlich.


ND
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gula
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PBLang ist Super!
Nachrichten: 5
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (20. Dezember 2004, 20:10) zitieren  
Zum Thema kontakt mit Muslimen und Eu Beitritt der Türkei,ich habe auch Türkische Freunde man sollte aber die Problematik des„tákyia“nicht außer acht lassen.Insbesondere bei Vertretern des Ev.glaubens trifft man hier auf eine erschreckende Naivität.


h.senftleben
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Andreas
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Friede sei mit Euch!
Nachrichten: 9
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (21. Dezember 2004, 11:45) zitieren  
Um meine Naivität ein bißchen abzubauen:

die Problematik des was?

Bitte um Übersetzung, will ja was lernen.


ND
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gula
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PBLang ist Super!
Nachrichten: 5
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (22. Dezember 2004, 09:31) zitieren  
Tákyia bedeutet das der ungläubige mit allen mitteln
über die Wahren Absichten der Rechtgläubigen im unklaren gelassen werden sollte.Wo man noch unterscheiden sollte zwichen Buchgläubigen und
Atheisten.Also Angehörige der monotheistichen Relegionen sind aus der Sicht des Islam noch halbwegs als Menschen zu betrachten diesen Status hätten dann Atheisten nicht.


h.senftleben
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DrMartinus
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Hallo alle zusammen!
Nachrichten: 479
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (31. Dezember 2004, 20:19) zitieren  
Auweia, das ist ja alles schon wieder gefährlich verallgemeindernd. Nichts für ungut, aber diese Beschreibungsweise behagt mir nicht. Es ist nämlich besonders einfach, dem anderen solch eine Strategie zu unterstellen, dann kann man jedes freundschaftliche Aufeinander Zugehen disqualifizieren als Strategie der Tákyia, und das wär's dann schon. Der andere, sprich die Muslime, wollen nur das Böse, erscheinen aber immer stinkfreundlich. Da habe ich viele Fragen:
Mich würde zunächst einmal interessieren, von wo aus die "Tákyia" begründet wird.
Dann wäre zu klären, welches Ziel die Muslime denn haben, wenn sie die "Ungläubigen" iunwissend lassen. Was sind die "wahren Absichten"? Die Weltherrschaft? Das kriegt man so sicher nicht hin. Was sonst? Bekehrung? Auch das kriegt man so nicht hin. Also das scheint mir dann doch ziemlich vordergründig zu sein.
Es ist richtig, dass man zwischen Ungläubigen und Buchgläubigen (Juden und Christen) aus Sicht der Muslime/des Korans unterscheidet. Was für Konsequenzen diese Unterscheidung hat, ist offen und auch unter den Muslimen nicht einheitlich geklärt.
Es bleibt letztlich immer die Frage, wie man "muslimisch" definiert, auch und gerade, wenn sich eine Regierung als "muslimisch" bezeichnet. Denn die Facetten sind sehr vielseitig!


Dr. Martinus
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gula
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PBLang ist Super!
Nachrichten: 5
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ( 3. Januar 2005, 13:53) zitieren  
Natürlich hatt der Islam viele Facetten und es gibt wie im Christentum viele unterschiedliche Richtungen
,wie die beiden größeren Schiiten und Sunniten welche sich dann noch weiter aufspalten. Aber alle haben sie eins gemeinsam der Islam im ganzen ist von seiner Grundausrichtung nicht vereinbar mit dem Christentum was sie als evangelicher Theologe eigentlich wissen müßten.Insbesondere das wirken und die Einordnung der Person Jesu wäre da zu nennen.
So nochmal zum Thema Tákyia,normale einfache Muslime verwenden es bestimmt selten ,aber die höhergestellten Leute würde ich da schon mit Vorsicht behandeln und es gibt genug Aussagen von Islamicher Seite die ein Ziel der Islamisierung
Europas vor Augen haben.Wer das nicht erkennt
ist echt naiv .



h.senftleben
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DrMartinus
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Hallo alle zusammen!
Nachrichten: 479
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ( 3. Januar 2005, 17:21) zitieren  
Naja, meine Fragen beantwortet haben Sie bisher noch nicht. Die Schiiten sind eine verhältnismäßig kleine Gruppe (10%-15% der gesamten Muslime), von diesem Hintergrund aber kommen die meisten Fundamentalisten. Wir haben es in Deutschland überwiegend mit Sunniten zu tun.
Inwieweit der Islam nicht mit dem Christentum vereinbar ist, ist eigentlich nur an der Person Jesu festzumachen. Wir sehen in ihm den Sohn Gottes, Muslime sehen in ihm einen Propheten. Dadurch, dass wir in Jesus den Sohn Gottes sehen und dazu noch das Konzept der Trinität vertreten, sind wir in den Augen der Muslime keine Monotheisten mehr, weil sie eben das Konzept der Trinität nicht nachvollziehen können. Das ist auch durchaus angemessen, denn an diesem Konzept haben Theologen jahrhundertelang gearbeitet und sind auch heute nicht letztgültig damit zufrieden. Viele Christen kriegen das nicht richtig auf die Reihe - warum sollten es dann Muslime können?

Das Gottesbild vieler Muslime ist von dem vieler Christen dennoch nicht sehr unterschiedlich. Soll man das bedauern? Ich lasse es einfach mal so stehen. Auch Christen glauben an einen Gott, der Gerechtigkeit fordert, und dementsprechend ein Gericht halten wird. Für Christen gibt es dann Jesus, der an diesem Gericht als Fürsprecher teilnimmt - für Muslime (nach deren Vorstellung) nicht.
Mit wievielen "höhergestellten" Muslimen haben Sie schon gesprochen, die Ihnen von der Tákyia vorgeschwärmt haben? Oder sonstwie sich in dieser Richtung geäußert haben? Welcher Gruppierung gehörten diese Personen an?
Ich könnte Ihnen sofort eine Reihe von Muslimen nennen, die diesem Anspruch widersprechen und Menschen, die die Islamisierung Europas propagieren, das Muslim-Sein absprechen würden. Alles nur Tarnung?
Indien ist übrigens ein gutes Beispiel, diesen Gedanken überhaupt zu widerlegen. Wenn dem Islam die Islamisierung der Welt (möglichst mit Gewalt?) in die Wiege gelegt wäre, dann wäre zu fragen, wieso Indien heute, nachdem es über eine lange Zeit und weitflächig von Muslimen beherrscht wurde, nur rd. 8% Muslime in seiner Bevölkerung hat? Sicher hat dabei die Staatenbildung 1949 eine wichtige Rolle gespielt, aber selbst wenn die Abwanderung von Millionen von Muslimen nach Pakistan nicht erfolgt wäre, dann läge die Zahl der Muslime in Indien jetzt vielleicht bei 12%. Es gibt unzählige Moscheen in dem Land, weit mehr als in Deutschland, morgens und abends erklingt der Ruf des Muezzin weithin über die Städte, und dennoch klappt die Islamisierung des Landes nicht. Warum nur?
Naivität lasse ich mir übrigens nicht unterstellen. Ich habe mich sehr intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt und tue es noch. Ich lasse mir nicht einfach irgendwelche Platitüden unterjubeln, sondern überprüfe sehr genau, was mir da erzählt wird, und natürlich auch, von wem.


Dr. Martinus
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Andreas
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Friede sei mit Euch!
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Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ( 7. Januar 2005, 12:45) zitieren  
Welche Ehre, daß ich mich mal bei zwei Senftlebens einmischen darf.
Zur bisherigen Diskussion nur so viel:
1. Daß ein Muslim einem Christen nicht von der "tákyia" vorschwärmt, kann man als Beweis dagegen verstehen, aber auch als Beispiel dafür.
2. Daß friedliche Muslime gewaltbereiten Muslimen das Muslim-Sein absprechen, ist verständlich, geschieht aber andersrum genauso. Uns Außenstehenden hilft das also nicht weiter. Ich habe es mir zur Regel gemacht, jeden als Christen anzusehen, der sich so nennt, und schlage vor, daß wir das bei Muslimen auch tun.
3. Mir scheint, die Differenz bei Ihnen beiden liegt nur teilweise im Verständnis des Islam, aber außerdem im Verständnis des Christseins. Da mische ich mich nicht ein.

Das ist eigentlich schon zuviel dazu, denn das Verhältnis von Muslimen und Christen ist hier nicht das Thema.
Aus der bisherigen Diskussion kann ich nur ziehen: Wenn diese Tákyia-Geschichte stimmt, sind auch Beitrittsverhandlungen schwierig. Aber statt zu spekulieren, sollten wir lieber sehen, wie die türkische Regierung sich selbst darstellt.

Also wenn ich noch einmal an Sie und alle Lesenden die Frage richten darf: Welche Meinung haben Sie zu einem EU-Beitritt der Türkei?


ND
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gula
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PBLang ist Super!
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Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (10. Januar 2005, 13:07) zitieren  
Antwort an Dr.Martinus:Indien ist wirklich ein gutes Beispiel,Religiöse Konflikte mit blutigen Massakern, ein Volk durch Religion gespalten was keine Probleme hätte das andere Atomar zu vernichten.Wenn das ihre Zukuftsvision für
Europa und deutschland ist na dann dankeschön.Außerdem wird in Indien schon aus gründen der höheren
Kinderzahl der Muslime über kurz oder lang wieder voll der„Dar-al Islam“ herrschen.
Noch mal zum Thema Tákyia,lesen sie mal Peter Scholl-Latour oder hier noch ein kurzes Beispiel.
Der Hürriyet Kolunist Emin Cölasan bewundert die Naivität der Europäer im Umgang mit Herrn Erdogan der die Auflagen aus Brüssel nur dazu benutzt die Armee als säkulare Stütze des Landes zu entmachten.Noch ein paar Gedanken zur Trinität, diese aus alten Indoarischen keltisch Germanischen
überlieferungen stammende Archetype wäre doch am besten mit einer Neuauflage des als ketzerich
verrufenen Arianichen Glaubens zu überwinden.
Antwort an Andreas,hoffentlich wird es keinen Beitritt geben und auch ihnen denn Typ mal die Bücher von Peter Scholl-Latour zum Thema Türkei zulesen



h.senftleben
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Andreas
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Friede sei mit Euch!
Nachrichten: 9
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (10. Januar 2005, 20:47) zitieren  
Puuuh!
Danke für den Tipp. Sollte ich Sie etwas gereizt haben, bitte ich um Entschuldigung.
Das Indien-Argument verstehe ich nicht ganz. Dr. Martinus hat Indien doch gar nicht gelobt, sondern nur gezeigt, daß der Ihrer Meinung nach auf Herrschaft bedachte Islam dort sie wieder verloren hat an Religionen, die als weniger politisch gelten.
Aber dazu kann er ja selbst was sagen.
Danke für Ihr klares Statement zum Beitritt. Muß mir auch bald mal eine Meinung bilden


ND
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PBLang ist Super!
Nachrichten: 5
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (12. Januar 2005, 13:02) zitieren  
Hallo Andreas ich bin keinesfalls gerreizt,wenn das in meiner Antwort zum Ausdruck kam tut es mir leid.Ich erlaube mir noch ein paar Anmerkungen zum Thema Indien.Der vergleich hinkt auch so.
Der Islam kam nach Indien mit dem Schwert und zwar zuerst durch afghanische Ghoriden,die späteren
Mogule waren Tataren die ein grausames Regiment führten.Ein Grossteil der Bevölkerung blieb aber immer ihrem hinduistischen Urglauben treu.So breitet sich der Islam nur langsam durch die Geburtenüberschüsse der Moslems aus.Ein friedliches miteinander gibt es kaum auch aufgestachelt durch Hindufaschisten.In Deutschland sehe ich keine Kraft die sich wie in Indien die Brahamen mit ihrer alten Vedischen Religion einer so starken Kraft wie dem Islam entgegenstellen würde.Unsere Ureligion wurde ausgerrottet oder vom Christentum adaptiert.Die mehrheit sind Atheisten oder höchstens noch Agnostiker.Die Kirche, insbesondere die Evangeliche macht sich hauptsächlich für minderheiten stark
und wird so selbst zur minderheit.Alles gute H.S.


h.senftleben
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Andreas
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Friede sei mit Euch!
Nachrichten: 9
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, oder vielmehr: zur Tákiya (12. Januar 2005, 14:22) zitieren  
Zur Frage von Dr. Martinus, wie die Tákiya begründet wird: Ich habe inzwischen folgende Information zur Tákiya gefunden:
Sie wird begründet mit Sure 16,106 und Sure 3,29 (ich nehme an, daß Sie beide eine Koranübersetzung besitzen, für alle anderen lohnt sich die Anschaffung) und stammt aus der Zeit, als Muslime von Andersgläubigen oder anders denkenden Muslimen verfolgt wurden. Obwohl Lüge eigentlich Muslimen verboten ist, und obwohl das Märtyrertum höher steht, ist es erlaubt, in einer solchen Situation seinen Glauben geheim zu halten, um sein Leben zu retten.
Das Wort bedeutet soviel wie Furcht oder Vorsicht.
Weiteres ist zu finden auf www.lexikonia.de/172938_taqiyya.htm
Ursprünglich bezog sich die Geheimhaltung also auf den Glauben und nicht auf die weiteren Absichten.
Aber Religionen verändern sich ja im Laufe der Jahrhunderte, und so läßt sich diese Praxis wohl nicht ausschließen. Ob sie dann noch zurecht Takiya genannt wird, müssen muslimische Rechtsgelehrte diskutieren, nicht wir. Daß sie sich im heutigen Dialog nicht nachweisen läßt, liegt in der Natur von Geheimhaltung. Da wir darüber also nichts sagen können, schlage ich vor, darüber nichts zu sagen.



ND
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DrMartinus
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Hallo alle zusammen!
Nachrichten: 479
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (14. Januar 2005, 13:04) zitieren  
Dem Vorschlag schließe ich mich gerne an.
Zu Indien nur (am Rande, da das nicht das Thema ist) eine kurze Anmerkung:
Ich habe in Indien 12 Jahre gelebt und weiß, wie Muslime dort leben und sich in die Gesellschaft einbringen. Das bezeichne ich durchaus als friedlich, denn man muss, wenn es um die Berichterstattung über irgendwelche gewalttätigen Auseinandersetzungen geht (von denen es m.E. herzlich wenige gibt), bedenken, dass Indien etwa ein Fünftel bis ein Viertel der gesamten Weltbevölkerung beherbergt. Die Konflikte, von denen berichtet wird, sind sehr punktuell und teilweise geschichtlich bedingt. Es ist, als wenn von Kämpfen zwischen Protestanten und Katholiken in Irland oder von aufständischen Basken in Spanien berichtet wird.
In Indien kann man ohne Angst durch die Straßen gehen (mit Ausnahme der Kashmir-Region, wo es um Grenzstreitigkeiten geht, die auch andere Länder untereinander haben); in manchen europäischen Ländern gibt es Regionen, wo das schwerer fällt.
Und nun zum Thema: Die EU ist überwiegend eine Wirtschaftsgemeinschaft. Wenn wir beginnen, mit der Religionszugehörigkeit gegen den Beitritt der Türkei zu argumentieren, geraten wir gefährlich dicht an eine Argumentationslinie, die vor Jahrhunderten und bis tief in das 20. Jahrhundert hinein schon Juden gegenüber angewandt wurde und die wir, so meine ich, überwunden haben sollten. Das kann und darf doch nicht den Beitritt in eine Wirtschaftsgemeinschaft beeinflussen. Höchstens dann, wenn die Verfassung des Landes das Recht dieser Religion höher stellt als eigenes Recht und die Religion explizit die Rechtsfassung der Wirtschaftsgemeinschaft ablehnt. In dem Fall wäre ein Vertrag der Regierung mit der Wirtschaftsgemeinschaft natürlich verfassungswidrig, usw. usf. Aber das sehe ich nicht. Es werden noch 5 bis 10 Jahre ins Land gehen, bis eine Entscheidung fällt. Bis dahin kann sich in der Türkei noch eine Menge ändern. Ich habe den Eindruck, dass diese Verhandlungen darum durchaus positiv zu sehen sind, denn sie treiben den Reformprozess, der zweifellos notwendig ist, voran.


Dr. Martinus
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Dr. Levent
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PBLang ist Super!
Nachrichten: 1
Antw.: Zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ( 5. Oktober 2005, 22:07) zitieren  
Ersteinmal meinen herzlichsten Gruß an alle hier im Forum. Nach langem Hin-und-Her habe ich mich nun doch dazu durchringen können, mich in diesem Forum anzumelden. Eigentlich wollte ich mich aus diesen müssigen Diskussionen um den EU-Beitritt der Türkei heraushalten, doch habe ich plötzlich diese mitteilungsbedürftige Seite an mir entdeckt, die mich dazu bewegte, es doch zu tun.

Vorab: ich bin Deutscher mit Türkischer Abstammung und komme mit beidem hervorragend zurecht.
Zum Thema: Ich finde es reichlich besorgniserregend, wie mit dem Thema in der Öffentlichkeit umgegangen wird. Kein Mensch beleuchtet das Thema von allen Seiten, vielmehr wird unglaublich polarisiert und auf Grundlagen diskutiert, die jeglicher Logik entbehren. Argumente wie "wozu noch mehr Türken?" oder "was sollen muslime in der EU?" werden angeführt und verhindern eine sachliche Diskussion.

Es ist zwar korrekt, dass die Türkei ein vorwiegend islamisches Land ist, doch sind die Türken zurecht Stolz auf ihren weltweit einzigartigen Laizismus. In der Türkei wird Politik und Religion strikter getrennt, als in so mancher abendländischen Demokratie. Ferner sollte man immer bedenken, dass die Türken, die man so kennt, mit Türken in der Türkei nichts gemein haben, ausser ihre gemeinsame Abstammung und u.U. die Farbe des Passes.

Der Reihe nach...

Meine Meinung zu Takiya: Überaus großer Schwachsinn und eine absolut unbegründete Befürchtung! Als würden nach einem Beitritt plötzlich 80 Millionen Türken über Europa herfallen... Die Weltanschauung vieler Türken (der Mehrheit) ist jene, dass Religion nichts in der Politik zu suchen hat und das auch so bleiben sollte.

Die Mehrheit der türkischen Schulabgänger studiert mittlerweile und es existiert bereits eine nicht zu verachtende intellektuelle Schicht. Man mag sich darüber streiten, ob die Methoden, die Religion aus dem politischen Leben herauszuhalten (z.B. das Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden) heute noch gesellschaftskonform sind, doch sollte man niemals ausser Acht lassen, dass dieses Land bereits seit über 80 Jahren laizistisch ist und (!!!) bereits vor über 10 Jahren eine Frau als Ministerpräsidentin hatte. Ein vielleicht etwas populistisches Argument für eine Toleranz, die sicherlich verbesserungswürdig ist (wie eigentlich überall).

Zum Thema EU-Beitritt möchte ich noch folgendes anführen: Die Türkei ist ein extrem junges Land mit einem sehr großen geopolitischen und wirtschaftlichen Potenzial.

Zum Thema Toleranz: Die Türken unterscheiden sich grundlegend von anderen islamischen Völkern, was ich weiter oben bereits kurz angeschnitten habe. Selbst in der Geschichte der Türkei wird man keine Beispiele für kreuzzugartige Aktionen finden. Zwar wollte man zu Zeiten des Osmanischen Reichs die ganze Welt erobern, doch hat dies lediglich imperialistische Beweggründe. Das osmanische Reich war immer tolerant und hat jene, welche nicht Moslems waren, nicht mit Gewalt, sondern mit höheren Steuern "bestraft". In meinen Augen ein ziemlich cleverer Schachzug, den wenn es ans Portemonaie geht, überlegen sich viele nicht zweimal, ob sie sich nicht lieber zu etwas breitschlagen lassen.

Reformen in der Türkei: Zweifelsohne notwendig und momentan auf einem sehr guten Weg. Viele (mich eingeschlossen) haben dieser Regierung eine derartig schnelle Stabilisierung der Türkischen Wirtschaft und des öffentlichen Lebens nicht zugetraut. Diese Rechts-Konservative Partei mit ihrem "zu islamisch" anmutenden Tayip Erdogan war zwar nicht unbedingt mein Wunschkandidat, doch stellt sich nun heraus, dass jegliche Ängste unbegründet waren.

Die Reformen, welche innerhalb der letzten 2 Jahre in der Türkei durchgeführt wurden, sind unglaublich. Vieles steht zwar noch auf dem Papier, doch merkt man deutlich einen Ruck in die richtige Richtung.

Sämtliche Dinge, die angegangen wurden (Bildung, Verkehr, Infrastruktur, Privatisierung, Kurdenproblematik, etc...) wurden mit Bravur gemeistert und befinden sich in einer hervorragenden Entwicklung.

Selbst die einst so instabile Währung und die horrende Inflation der Türkei wurden stabilisiert. Die Inflation liegt derzeit bei 7,5% (2002 noch bei 80 %) und die Währung hat seit einem Jahr ca. 15% an Wert gewonnen. Wirtschaftlich gesehen hat sich die Türkei innerhalb der letzten 6 Jahre von einem Importland zu einem Exportland entwickelt. Relativ günstige Lohnkosten und Steuern tun ihr Übriges. Dass die Türkei zu einem Konkurrenten für die EU werden könnte glaube ich kaum.

Es ist natürlich nicht alles eitel-sonnenschein...

Es gibt eine Menge an Problemen in diesem grossen Land, welche definitiv angegangen und gelöst werden müssen, bevor man der EU beitreten kann.

- extrem heterogene nachbarschaftliche Verhältnisse zu direkt angrenzenden Staaten verbessern
- Rolle der Frau in der Gesellschaft stabilisieren
- Privatisierung weiter vorantreiben
- Religionsfreiheit ausweiten und Minderheiten wie z.B. die Aleviten anerkennen
- erneute Kurdenproblematik mit wirtschaftlichen Projekten in der Region umgehen
- Progrome an Armeniern untersuchen und zu einem verlässlichen Schluss bringen
- Macht des Militärs auf Staatspolitik weiter einschränken
- Universitäten ausbauen, um dem Ansturm der nächsten Generation gewachsen zu sein
- Zypernproblematik lösen und mit Hilfe der EU eine Wiedervereinigung der Insel erzwingen
- Menschenrechtsfragen weiter verbessern
- wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit Europa vorantreiben

Gruß
Levent

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